#stimmen_aus_dem_zack
…Was das Zack diesen Monat bewirkte und noch weiterhin zu bewirken versucht = warum’s so wichtig ist, diesen Kampf weiterzuführen…
Die Gentrifizierung im Klybeck ist in vollem Gange – und das Tempo wird noch massiv anziehen. Was heisst das alles genau und was bringen Besetzungen wie das ZACK dabei?
Laut Duden bedeutet Gentrifzierung: „Aufwertung eines Stadtteils durch dessen Sanierung oder Umbau mit der Folge, dass die dort ansässige Bevölkerung durch wohlhabendere Menschen verdrängt wird“.
Vom einen auf den anderen Moment werden also die Häuser/Strassen/Ecken/Läden mit denen wir aufgewachsen sind, die uns Halt geben, am Herzen liegen oder wir mitgeprägt haben ersetzt mit aus dem Boden gestampften grauen, kalkulierbaren, anonymen, seelenlosen, überteuerten Bauten. Diese Aufwertungsprozesse werden nicht nur das Klybeck massiv prägen – auch die umliegenden Stadtteile werden von erhöhten Mieten und Verdrängung betroffen sein.
Verantwortlich dafür sind Immobilienhaie und Investor:innen, die auf Kosten von Menschen ihre eigenen Geldtaschen füllen (wollen); ohne Rücksicht auf die ansässige Bevölkerung:
„Da es sich bei „klybeck plus“ um ein Investitionsprojekt handelt, werden die Investoren versuchen, damit möglichst viel Geld zu verdienen. Dies soll durch Mieten und künftig steigende Grundstückspreise geschehen. Das bedeutet, dass die Mieten in diesem neuen Stadtviertel kaum günstig ausfallen können – auch wenn die Stadt dies verspricht. Zudem wirken sich hohe Mieten und Grundstückspreise in einem Stadtteil stets auf die Umgebung aus; früher oder später werden also auch in den bereits bestehenden Wohnvierteln die Mieten steigen. Das ist nicht bloss eine Befürchtung, sondern die Logik des Marktes“ (https://klybeckminus.noblogs.org/wasistklybeckplus/#De).
Dass das ärmste Quartier der Stadt nun auch noch zum reichsten quartier der Stadt gemacht wird ist ad absurdum. Wo sollen denn all die Menschen hin? Wer soll denn diese Stadt zukünftig bewohnen? Für wen ist diese Stadt überhaupt (noch)?
„Damit reiht sich das Klybeckplus in eine globale Entwicklung ein, die Menschen ihrer zuhause beraubt, in die Agglomeration drängt, sie präkarisiert und entmündigt“ (Stimmen aus dem Klybeck – Einmalige Quartierzeitung mit Interviews und Informationen zum Stand von Klybeck Plus 2026).
Gentrifizierung führt also unweigerlich dazu, dass es erschwert wird, dass sich eine Gemeinschaft bilden kann: Die bisherige Nachbar:innenschaft wird ersetzt durch wohlverdienende Neuzugezogene, niemand kennt sich mehr. Dadurch wird verunmöglicht, dass konstante Beziehungen gepflegt werden können. Zusätzlich identifizieren sich bisherige Bewohnende nicht mehr mit der sich verändernden Umgebung: Das altbekannte Lädeli muss einem hippen Kaffee weichen, die langjährige Beiz wird durch eine schicke junge urbane Pizzeria ersetzt, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Diese Entwicklungen, weil sie kapitalistisch und systematisch verankert sind, und Riesenkonzerne und lange bürokratische sytemische Prozesse diese stützen, können den Anschein erwecken, dass wir als Bewohnende dieser Stadt keinen Einfluss darauf haben können, dass wir diesen Veränderungen schlichtweg ausgeliefert sind und sie Sache der Natur sind (Soll ja auch viele neue Bäume geben im neuen Stadtteil; damit’s auch ganz schön natürlich wirkt, das Ganze!).
Was eine Besetzung wie das ZACK gezeigt hat, aber auch andere Wohnbesetzungen und basisdemokratische Projekte, die Menschen zusammenbringen, haben eine enorme und nicht zu unterschätzende Kraft, um sich gegen Monsterkonzerne und deren zerstörerischen Interessen zusammen zu tun. Gemeinschaftsbildung ist unsere Stärke um individuellen, neoliberalen Tendendenzen des einfach Akzeptierens von Veränderungen entgegenzuwirken:
Wenn ganze Stadtteile teurer werden und sich Menschen somit die Mieten nicht mehr leisten können, dann brauchen wir einander, um uns auszutauschen über unsere Ängste, über Handlungsoptionen und um der Ohnmacht gemeinsam zu entfliehen. Dadurch, dass wir uns zusammentun, erfahren wir von unseren Ängsten und spüren, dass wir damit nicht alleine sind, weil diese Sorgen viele Leute mit sich tragen. So wird die politische Dimension erkennbar, was ein Gefühl der Handlungsfähigkeit zurückgibt. Dadurch, dass sich gemeinsam ausgetauscht und organisiert wird, kann Gentrifizierung als systematisches Problem erfasst werden: Die Wahrnehmung und das Verständnis von einzelnen Schicksalen, die betroffen sind von den Veränderungen, verschiebt sich auf eine Systempolitische Kritik. So wird Gentrifizierung emotionalisiert, eine ablehnende Haltung entwickelt und schliesslich kollektiv neue Handlungsfelder gesucht und erschaffen. Dieses Potential entsteht durch Gemeinschaft! Es entstehen protestierende Akteur:innen, die gesehen und gehört werden. Denn von diesen Stadtentwicklungen sind wir alle betroffen, obwohl es sich sehr individuell anfühlt! Auf sich alleine gestellt ist es schlicht nicht möglich, mit den (schnellen) Veränderungen der Welt klarzukommen und diese zu konfrontieren. Wir kreieren kollektive Identitäten, wodurch politische Organisierung überhaupt erst entstehen kann. So kann Widerstand von unten gegen eine komplette Veränderung ganzer Stadtteile aufgebaut werden.
„Die kleinste Ebene von Widerstand gegen Gentrifizierung ergibt sich somit aus Beziehungen und zwischenmenschlichen Begegnungen. Sie sind Voraussetzung für die Erschaffung eines handlungsbefähigten Akteurs, der wohnpolitischen Wandel auslösen kann“ (Merz Enríquez 2026, Alles wird gut besetzt: Wie Zürichs Hausbesetzer*innen nachbarschaftliche Gemeinschaftsbildung im Widerstand gegen Gentrifizierung einsetzen. Bachelorarbeit Sozialanthropologie, Universität Zürich). Dadurch wird die Logik von Gentrifizierung unterwandert und eine Gegenbewegung geschaffen.
Besetzungen können somit eine wichtige Grundlage sein um sich überhaupt erst zu vernetzen in einer überindividualisierten Welt. Zum einen als druckfreie Begegnungsflächen aber genauso um selbstorganisiert die Freiräume sich so einzurichten wie die Menschen in dieser Stadt dies brauchen. Wenn sich niemand mehr Eintritte in Clubs und Bars mehr leisten kann, müssen wir Orte schaffen, an denen (gratis) und selbstbestimmt Kultur angeboten und konsumiert werden kann.
Wir brauchen einander! Wenn wir in diesem Quartier und in dieser Stadt weiterhin wohnen wollen anstatt an den Stadtrat gedrängt zu werden oder mit anzuschauen wie dies unseren Nachbar:innen passiert, müssen wir uns wehren und zusammenstehen!
Überlassen wir unsere geliebten Strassenecken, unsere geliebten Häuser und Lädelis des Vertrauens nicht dem Wahn der Geldmaschinerie! Sonst ist bald alles grau, anonym und kalt.
Überlassen wir die Stadtentwicklung nicht denen Oben, bilden wir Gemeinschaft von Unten und werden kreativ, wie unser Protest aussieht!
Uns wurde zwar der Ort genommen, der diese Aktionen ermöglichte. Aber wir sind weiterhin daran, uns zusammenzutun. Wenn dich diese Entwicklungen ebenso betroffen machen – aus welcher Perspektive auch immer (ob als Bewohnende vom Klybeck oder einem sonstigen Stadtteil) oder du Lust hast gegen die Stadt der Reichen aktiv zu werden, melde dich bei zack@immerda.ch. Der Widerstand ist noch lange nicht vorbei !
GENTRIFIZIERUNG VERSUCHT ZU VEREINZELN. ABER WENN WIR UNS ZUSAMMENTUN, DANN BEWIRKT SIE GENAU DAS GEGENTEIL: GEMEINSCHAFT.